Selbst für uns jüngeren Seniorinnen und Senioren war und ist er ein Begriff: Eduard Zimmermann. Mit „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ schuf er in Zusammenarbeit mit dem. ZDF im Jahr 1967 eine Weltneuheit; eine TV-Sendung, die bei der Aufklärung von Verbrechen helfen kann.
Die Idee zur Sendung war Zimmermann bei der Arbeit an seiner 1964 gestarteten Sendereihe „Vorsicht Falle!“ gekommen, in der er die Zuschauer mit nachgespielten Szenen vor aktuellen Betrugsmaschen (Untertitel: Nepper-Schlepper- Bauernfänger) warnte. Oft hatte er von den Zuschauern entsprechende Personenbeschreibungen und Informationen über Betrüger bekommen. Das hatte ihn auf den Gedanken gebracht, in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei unaufgeklärte Verbrechen in einer eigenen Sendung zu behandeln.
Die Täter standen im Fokus, aber was war mit den Opfern? Eduard Zimmermann fragte sich „Wenn alle den Täter jagen, wer bleibt dann beim Opfer?“ Als Antwort auf diese Frage gründete er 1976 mit anderen den Verein WEISSER RING mit Sitz in Mainz.
Schon zwei Jahre nach Gründung zählte der Verein mehr als 1.000 Mitglieder, nach nicht einmal vier Jahren hatte der WEISSE RING bereits über 100 Anlaufstellen in der ganzen Bundesrepublik. Heute sind es über 400. Dazu gibt es seit 2010 das bundesweite, kostenlose Opfer-Telefon, das unter 116 006 täglich von 7 bis 22 Uhr zu erreichen ist und eine erste, schnelle und anonyme Anlaufstelle für Kriminalitätsopfer sein kann. Kurze Zeit später ist auch die Onlineberatung ins Leben gerufen worden.
Deutschlandweit sind für den Verein mittlerweile rund 3.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, die alle von der WEISSER RING Akademie professionell ausgebildet und auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden. Die Opferhelferinnen und Opferhelfer hören zu, unterstützen bei Terminen bei der Polizei oder vor Gericht und gehen individuell auf Bedürfnisse von Betroffenen ein. Jedes Jahr helfen sie mit dieser Arbeit vielen tausend Betroffenen – und das alles in ihrer Freizeit.
„Es ist unglaublich, wie viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der WEISSE RING über die Jahre immer wieder für die Opferarbeit gewinnen konnte“, sagt Birgit Bihler, Leiterin der Außenstelle Freudenstadt. „Wir sind sehr dankbar, dass auch wir bei uns in Freudenstadt im Moment zwölf motivierte und qualifiziert Menschen haben, die engagierte Arbeit leisten und die bereit sind, sich immer wieder aufs Neue mit der ganzen Bandbreite der Kriminalität auseinanderzusetzen.“ Ohne das Ehrenamt könnte der WEISSE RING nicht existieren. „Dass wir als größte Opferschutzorganisation Deutschlands die Opferarbeit ehrenamtlich leisten, ist das Besondere, das unseren Verein ausmacht“, so Birgit Bihler.
Prävention auch wichtig
Neben der klassischen Opferhilfe setzt sich der WEISSE RING auch im Bereich Prävention ein, vor allem, wenn es darum geht, Menschen aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie vermeiden können Opfer zu werden oder erneut Opfer zu werden. „Prävention ist ja bekanntlich der beste Opferschutz.“
Der Verein ist außerdem anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe und des Opferschutzes.
Zu den jüngsten Erfolgen der Opferschützer gehört die Tatsache, dass die Bundesregierung die elektronische Fußfessel gegen häusliche Gewalt auf den Weg gebracht hat. „Dafür hat sich der WEISSE RING jahrelang eingesetzt“, sagt Bihler. Auch die Opferentschädigung wurde reformiert. Seit Januar 2024 ist sie im Sozialgesetzbuch XIV geregelt. „Jetzt muss sich nur noch die Umsetzung verbessern, sodass Opfer endlich das bekommen, was ihnen auch laut Gesetz zusteht. Dafür werden wir uns weiterhin unermüdlich einsetzen.“
Spenden sind willkommen
Wer sich für die Arbeit des WEISSEN RINGS interessiert, kann sich über die Webseite www.weisser-ring.de informieren oder sich direkt bei der Außenstelle Freudenstadt (www. freudenstadt-baden-wuerttemberg.weisser-ring.de) melden.
„Wir brauchen immer helfende Hände und Menschen, die eine ehrenamtliche Tätigkeit suchen, die Sinn stiftet und die Menschen unterstützt, die Hilfe dringend brauchen. Auch über Spenden und neue Mitglieder freut sich der Verein. Denn er finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Geldbußen und testamentarischen Zuwendungen und erhält keinerlei staatliche Mittel.“