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Pressemitteilung WEISSER RING fordert besseren Schutz für Frauen


Pressemitteilung Mainz, 4. Februar 2022
WEISSER RING fordert besseren Schutz für Frauen
 
In einem Brandbrief hat der WEISSE RING Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und andere hochrangige Politiker aufgefordert, umgehend gegen Partnerschaftsgewalt an Frauen vorzugehen. „Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet“, schreibt Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender von Deutschlands größter Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer. „Während die Zahl der Gewaltdelikte in Deutschland insgesamt seit Jahren rückläufig ist, gelingt es Staat und Gesellschaft nicht, diese Frauen vor ihren gewalttätigen Männern zu beschützen.“
Ziercke weist in dem Schreiben darauf hin, dass die meisten Täter ihre Taten vorher sogar angekündigt hätten. „Aber wenn sich die Frauen, von ihren Männern mit dem Tode bedroht, hilfesuchend an die Behörden wandten, zeigte sich der Staat oftmals buchstäblich hilflos. Das will ich, das will der WEISSE RING nicht akzeptieren.“
Ziercke, der zehn Jahre lang Präsident des Bundeskriminalamtes war und seit 2018 dem WEISSEN RING vorsteht, fordert die Politik zum sofortigen Handeln auf, etwa beim unzureichend umgesetzten Gewaltschutzgesetz. „Annäherungsverbote nach dem Gewaltschutzgesetz schützen niemanden, wenn sie nicht kontrolliert werden“, schreibt Ziercke. In Spanien zum Beispiel werde ein Bedroher nach einer solchen Anordnung in Echtzeit elektronisch überwacht; nähert er sich seinem Opfer, würden umgehend Polizei und die betroffene Frau informiert. „In Deutschland stellen wir erst hinterher fest, dass es ein Annäherungsverbot gab. Das darf so nicht bleiben.“
Auch beim Hochrisikomanagement zum Schutz bedrohter Frauen gebe es erhebliche Unterschiede in den Bundesländern. „Wir brauchen dringend eine bundesweite Regelung“, so Ziercke. Zudem fehle es an „wissenschaftlich fundierten systematischen Ansätzen zum Umgang mit dem Gefährdungspotenzial eines Bedrohers. Im Grunde wissen wir nichts über die Täter, weil die entsprechenden Daten nicht gesammelt und schon gar nicht ausgewertet werden.“
Im vergangenen Jahr wurden 139 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. Seit 2011 kamen so insgesamt 1405 Frauen zu Tode. „Ich bin überzeugt davon, dass viele dieser Opfer hätten gerettet werden können“, schreibt Ziercke am Ende seines Briefs. Adressaten des Schreibens sind neben Bundespräsident und Bundeskanzler die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder sowie die Ministerinnen und Minister für Innen, Justiz und Frauen auf Bundes- und Landesebene. 



Im Jahr 2021 hat die Außenstelle Freudenstadt ca. 90 Opferfälle bearbeitet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von etwa 25%. In der Mehrzahl der Fälle handelte es sich bei den Geschädigten um Frauen oder Mädchen. Die Betroffenen wurden meist Opfer von sexuellen Übergriffen, Stalking oder Häuslicher Gewalt. 
Im Gegensatz zum letzten Jahr haben wir damit einen sehr hohen Anstieg bei den Delikten zum Nachteil weiblicher Personen zu verzeichnen.
Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von rund 2.900 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelferinnen und  helfern in bundesweit rund 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung. Der WEISSE RING hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keinerlei staatliche Mittel.
 
    
 

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